28.06.2019

Aktuelle „kleine“ Sonderschau im Oldtimerzentrum

Seit über 40 Jahren kämpfen eigentlich nur zwei nennenswerte Autos um die Gunst der  deutschen anspruchsvollen Oberklasse-Kundschaft und um die Krone des vielleicht besten Autos der Welt: Mercedes S-Klasse und BMW 7er. Anfang der 70er Jahre beginnt der „Kampf der Giganten“. Der Schuppen Eins zeigt aktuell eine „kleine“ Sonderschau der deutschen Oberklasse-Rivalen. Geöffnet hat das Bremer Oldtimerzentrum täglich bei freiem Eintritt.

Mercedes-Benz eröffnet 1972 mit der Einführung der ersten „S-Klasse“ genannten Baureihe W116 den Ring. Einstiegspreis: 23.800 DM. Das „Auto des Jahres“ erfüllt seinerzeit höchste Standards in Sicherheit und Ausstattung. So verfügt er als erster PKW überhaupt über ein ABS. Die Topversion punktet mit 6,9 Liter großem V8-Motor.

Erst fünf Jahre später betritt ein würdiger Rivale den Ring: der BMW 7er. Anders als der komfortbetonte Mercedes setzt die BMW-Limousine E23 bei Fahrspaß und weniger behäbigem Design an. „Hier fährt der Chef noch selbst“ und bedient den ersten Bordcomputer, der je ein einem PKW verbaut wurde. Der Grundpreis lag bei 29.300 DM.

1979 präsentiert Daimler-Benz die neue S-Klasse. Eine verbesserte Aerodynamik und ein geringeres Gewicht senken den Verbrauch um 10 Prozent. Der weltweit erste Airbag wird in der S-Klasse angeboten.  Und sicher ist sicher: Mercedes bringt in der Baureihe W126 die erste Antriebs-Schlupfregelung.

1986 kommt der nächste 7er der Baureihe E32 auf den Markt und raubt mit neuem Styling und hoher Fahrdynamik der S-Klasse mächtig Kunden. Die Spitze der Motorisierung stellt der erste Nachkriegs-Zwölfzylindermotor dar. Aus Vernunftgründen beschränken sich die beiden Hersteller auf eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h.

Mercedes-Benz schickt 1991 die nächste Modellgeneration der S-Klasse auf die Straße: den W140. Setzt der Wagen in Sachen Sicherheit und Komfort die weltweit höchsten Standards (unter anderem wird das erste Fahrsicherheitssystem ESP angeboten), empfinden viele das massive Design und die stattlichen Abmessungen als zu plump.

Im Jahr 1997 kontert BMW mit der nächsten 7er-Generation. Wie erwartet ist die Oberklasse-Limousine E38 erneut sportlich abgestimmt und als Antwort auf den W140 dynamischer und gestreckter gezeichnet.  Mit an Bord: das weltweite erste vollintegrierte Radio-Navigationssystem mit TV-Funktion oder der erste Oberklasse-Dieselmotor auf dem deutschen Markt.

Bodystyling statt Bodybuilding: 1998 erscheint die wiederum neue S-Klasse, der W220, die jetzt auch schlanker und eleganter daherkommt.  Natürlich hat die Limousine wieder allerhand Features an Bord, dazu gehören beispielsweise das schlüssellose Zugangssystem oder der Abstandsregeltempomat „Distronic“.

2001 dann die Design-Revolution beim Münchener Hersteller: Die vierte Generation des 7er hört auf die Bezeichnung E65 und ist vom Designer Chris Bangle mutig gezeichnet. Die neue, kontrovers diskutierte Designlinie des Hauses wird vor allem an der Frontpartie und dem Heckdeckel deutlich.  Das Bedienkonzept „i-Drive“ fasst zahlreiche Bedienelemente zusammen.

2005 folgt der nächste High-Tech-Gipfel. Der Mercedes-Benz W221 punktet mit vielen Fahr- und Traktionsassistenten wie beispielsweise dem Allradsystem „4Matic“ und einem Nachtsichtassistenten.  Der Einstandspreis dieser S-Klasse liegt bei rund 70.000 Euro.

BMW zieht 2008 mit dem 7er-Folgemodell F01 nach. Zum etwa gleichen Basispreis liefern die Bayern ein auf Wunsch komplett vernetztes Fahrzeug mit zahlreichen Online-Features. Erstmals war bei der fünften 7er-Generation auch ein Mild-Hybrid-Motor zu haben oder aber zum Beispiel auch ein „Dynamic Light Spot“, der selbst erkannte Fußgänger anleuchtet. 

Und natürlich geht die Geschichte weiter.  Seit 2013 hat Mercedes-Benz die Modellreihe W222 am Markt. Unter anderem ist dieses das weltweit erste Fahrzeug mit einem vorausschauenden, auf einer Stereokamera basierten aktiven Fahrwerk. Der Einstiegspreis liegt bei rund 80.000 Euro. Der momentane Konkurrent ist der BMW 7er des Baumusters G11/G12 (Langversion), das seit 2015 angeboten wird. Mit der Sonderausstattung „Ferngesteuertes Parken“ kann er als erstes Serienfahrzeug weltweit ohne Fahrer am Steuer in Parklücken oder Garagen hinein- und wieder herausmanövrieren.

Die S-Klasse war in vielen Jahren das weltweit meistverkaufte Oberklasse-Fahrzeug. Ausnahmen gab es – wie im Automobilmarkt üblich – gegen Ende und zu Anfang eines Modellzyklus, zum Beispiel 2004 auf dem deutschen Markt, als mehr BMW 7er als S-Klasse-Fahrzeuge verkauft wurden. 2012 schließlich haben die Hersteller BMW und Audi mehr 7er und A8 als S-Klassen absetzen können.